LADISLAV HEJDÁNEK ARCHIVES | Cardfile

Here you will find a digitized image of Hejdánek's original filing cabinet. Its total volume is many thousand tickets. We publish them in parts as we handle them. At the moment we have worked out what prof. Hejdánek himself developed electronically. However, much work remains on paper cards. In addition to Hejdánek's extracts from reading, the filing cabinet also includes his own thought work from recent years, which cannot be found elsewhere.


Zkušenost

Alois Halder | Max Müller (1988)
Erfahrung, Sonderform der /Erkenntnis, die nicht aus /diskursivem Denken, sondern aus dem unmittelbaren Empfangen eines Gegebenen entspringt. Auf Grund dieser Unmittelbarkeit, in der die Gegenwart des Erfahrenen sich unwiderstehlich bezeugt, eignet jeder E. eine ausgezeichnete /Evidenz. Man unterscheidet gewöhnlich äußere u. innere E. Zur äußeren E. gehören alle Sinneswahrnehmungen, zur inneren sowohl das Erfassen von seelischen Zuständen als auch, wie im Bereich der relig. E., das Innewerden von schlechthin überragenden („übernatürlichen“) Wirklichkeiten. Der E,s-begriff des /Empirismus, der nur die sinnl. E. gelten läßt, ist daher zu eng, vor allem auch deshalb, weil zur vollen E. neben der Gegenwart des Gegebenen dessen Einordnung in ein Bedeutungsfeld gehört, das vorgängig (a priori) verstanden ist oder aber jedenfalls nicht in derselben Weise „erfahren“ wird wie z.B. ein Sinnlich-Wirkliches. Am Problem einer solchen möglichen E. (Empirie) vorgängiger Grundbedeutungen (eines /Apriori) zeigt sich am schärfsten, daß der E.s-begriff kein univoker, sondern ein analoger Begriff ist. Kant, der die Entwicklung der Erkenntnistheorie entscheidend bestimmt hat, kennt keine E. eines geschichtlich sich wandelnden Apriori, das bei ihm vielmehr als gleichbleibende Bewußtseinsstruktur alle wechselnden E.en bedingend ermöglicht. Wohl aber kennt er, neben der auf sinnliche Wahrnehmung angewiesenen E., eine Art nichtsinnliche E., nämlich des unbedingten Anspruchs des Sittengesetzes (des einzigen „Faktums der reinen Vernunft“).
In den empir. Einzelwissenschaften hat E. weniger den Sinn der Gegenwärtigung des Gegebenen u. seiner Selbstbedeutung als vielmehr den der Bestätigung eines methodisch-vorwegentworfenen gesetzmäßigen Verhältniszusammenhangs.
(6920, Philosophisches Wörterbuch, Herder, Bonn 1993, S. 79.)
date of origin: únor 2014