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Člověk a filosofie | Filosofie a její působení

Karl Jaspers (1953)
... Die Wirkung der philosophischen Gedanken in der Welt ist heute nur möglich, wenn si die Mehrheit der Einzelnen erreicht. ... Es ist für die Stunden der Besinnlichkeit aller Menschen daher notwendig, das Wesentliche so einfach, soklar wie möglich, ohne Einbuβe an Tiefe, mitteilbar zu machen. Heute ist es noch so, daβ viele Menschen nicht eigentlich wissen, was sie wollen. Die Propaganda be/20/mächtigt sich durch Interessen und Mächte ohne Rücksicht auf Wahr und Falsch der nicht selbst denkenden, widerstandsarmen Seelen. Es ist unausweichlich, daβ das Wahre selber in die Gestalt der Propaganda gelangen muβ, um die Ohren der Menschen zu erreichen. Die groβe Aufgabe schaffenden Denkens ist daher die Erarbeitung der einfachen Gestalten des Wahren, damit es Widerhall findet in der jedem Menschen ursprünglich eigenen Vernunft. Wesentlich sin die einfachen Gedanken, die den Nachvollziehenden mit der Klarheit der Operation an jenem Punkte treffen, wo er nicht nur weiβ, sondern innerlich handelt, das heiβt, wo die Vernunft im ganzen wach wird.
Gegen die anfangs gezeigte Position, die das Ende der Philosophie behauptet, meine ich auf einige Aufgaben hingewiesen zu haben, die die Philosophie heute zu einer Sache des Menschen als Menschen machen. Gegen das vermeintliche Totalwissen hat die Philosophie de Aufgabe, das Selbstdenken und dadurch das Selbstsein des Einzelnen, das unter der totalitären Mächten erlöschen soll, wachzuhalten. Sie hat jeden Einzelnen zu erinnern, daβ er er selbst sein kann, und daβ er aufhört Mensch zu sein, wenn er darauf verzichtet. Für unsere gemeinschaftliche Zukunft ist entscheidend, daβ das Denken durch Vernunft in der Helligkeit des Willens aus der tiefsten Verantwortung zur Wirklichkeit gelangt.
(Die Aufgabe der Philosophie in der Gegenwart, in: 3336, Philosophie und Welt, München 1963, S. 19-20.)
date of origin: duben 2015