LADISLAV HEJDÁNEK ARCHIVES
Karl Jaspers  ✖ Transcendence  ✖

Existence možná a bytí | Bytí a transcendence | Transcendence a bytí | Možná existence | Bytí a možná existence

Karl Jaspers (1932)
Nicht das Dasein in seiner Vitalität und als Bewußtsein überhaupt erfährt darum die Zerrissenheit des Seins. Erst mögliche Existenz ist von ihr betroffen und sucht das Sein, als ob es verloren und zu gewinnen sei. Mögliche Existenz ist im Unterschied vom Dasein dadurch charakterisiert, daß sie eigentlich selbst ist in diesem Suchen des Seins. Ihr wird unausweichlich: Ich habe den Boden des Seins nicht im Dasein, nicht in den mannigfaltigen Bestimmtheiten besonderen Seins als Gewußtsein und Erkanntsein, nicht in mir in meiner Isolierung und noch nicht in der Kommunikation. Nirgends habe ich „das Sein“. /3/ Überall trete ich an Grenzen, bewegt von dem meiner Freiheit verbundenen, weil sie selbst seienden Suchen des Seins. Suche ich es nicht, so ist es, als ob ich selbst aufhörte zu sein. Ich scheine es zu finden in der konkreten Geschichtlichkeit meines aktiven Daseins, und muß es mir doch stets entgleiten sehen, wenn ich es philosophierend fassen will:
Stehe ich vor diesem Sein als Transzendenz, so suche ich den letzten Grund auf eine einzigartige Weise. Er scheint sich zu öffnen; doch wird er sichtbar, so zergeht er; will ich ihn fassen, so greife ich nichts. Will ich an die Quelle des Seins dringen, so falle ich hindurch in das bodenlose. Niemals gewinne ich, was ist, als einen Wissensinhalt. Doch diese Abgründigkeit, leer für den Verstand, vermag sich für Existenz zu füllen. Ich stehe im Transzendieren, wo diese Tiefe sich öffnete und im Zeitdasein das Suchen als solches zum Finden wurde: denn das transzendierende Zeitdasein des Menschen vermag als mögliche Existenz die Einheit der Gegenwart und Suchen zu werden: eine Gegenwart, die nur als das Suchen ist, das nicht abgeschnitten ist von dem, was es sucht. Nur aus einem Vorweggreifen dessen, was gefunden werden soll, kann gesucht werden: Transzendenz muß schon gegenwärtig sein, wo ich sie suche. Im Transzendieren weiß ich vom Sein weder gegenständlich wie in der Weltorientierung, noch werde ich seiner inne wie meiner selbst in der Existenzerhellung, sondern ich weiß von ihm in einem inneren Tun, das selbst im Scheitern noch bei diesem eigentlichen Sein bleibt. Es bleibt, ohne gefunden zu sein als ein objektiver Halt, der Existenz Festigkeit geben, im Dasein sich zu sich und zur Transzendenz in Einem zu erheben.
Die Weisen diese Seinssuchens aus möglicher Existenz sind Wege zur Transzendenz. Ihre Erhellung ist die philosophische Metaphysik.
(3339, Philosophie III, Berlin etc. (3)1956, S. 2-3.)
date of origin: leden 2009

Existence (a transcendence) | Transcendence (a existence

Karl Jaspers (1962)
1) Existenz ist nicht Sosein, sondern Seinkönnen, das heiβt: ich bin nicht Existenz, sondern mögliche Existenz.
Existenz steht ständig in der Wahl, zu sein oder nicht zu sein. Ich bin nur im Ernst des Entschlusses. Ich bin nicht nur da, nicht nur der Punkt eines Bewuβtseins überhaupt, nicht nur der Ort geistiger Schöpfungen, sondern in diesen allen kann ich ich selbst oder in ihnen verloren sein.
2) Schon das Bewuβtsein ist das Dreisein: das Subjekt des „ich denke“ ist auf Gegenstände gerichtet und ist darin auf sich selbst bezogen in Selbstbewutsein.
In dieser Struktur liegt existentiell eine tiefere: Existenz ist das Selbst, das sich zu sich selbst verhält und darin sich auf die Macht bezogen weiβ, durch die es gesetzt ist (Kierkegaard).
Sie ist Freiheit (nicht die Freiheit der Willkür des Daseins, nicht das Einstimmen in die Richtigkeit des Bewuβtseins überhaupt, nich die in Ordnungen des Geistes schaffende Phantasie) auf eine unfaβliche Weise: sie ist Fraiheit, die nicht nur durch sich selbst ist, sondern die sich ausbleiben kann. Sie ist Freiheit nicht ohne die Transzendenz, durch die sie sich geschenkt weiβ.
Der Ort der Transzendenz oder die Transzendenz selbst ist das Allumgreifende und als solches Verborgene, das für Existenz und allein für Existenz in der Erfahrung ihrer Freiheit Wirklichkeit ist. Existenz ist nicht ohne Transzendenz. Dies ist gleichsam die Struktur der Existenz, abgesehen davon wie Transzendenz im Raum des Bewuβseins überhaupt und des Geistes auch immer vorgestellt und gedacht wird.
3) Existenz ist als der je Einzelne, als dies selbst, unvertretbar und unersetzbar.
In den Kategorien „das Allgemeine und das Individuum“ scheint die Existenz als das Individuum bestimmt. In den Kategorien „Wesen und Wirklichkeit“ (essentia und existentia) scheint die Existenz als Wirklichkeit bestimmt. In diese Kategorien aber ist der Sinn der Einzigkeit und Unvertretbarkeit hineinzunehmen.
Das geschieht nicht, wenn ...
(3333, Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung, Piper, München 1963, S. 118.)
date of origin: květen 2014

Svět jako celek | Welt als Ganzes | Transcendence a „objímající

Karl Jaspers (1962)
Das Umgreifende, das das Sein selbst ist, ist zugleich ein solches, das auf keine Weise für uns Objekt wird.
In der Welt gehen wir nach allen Seiten und finden in ihr ins Unendliche die uns erkennbaren Dinge. Die Welt selber im ganzen ist nicht verstehbar und nicht in ihr angemessen denkbar; sie ist für unser Wissen kein Gegenstand, sondern nur eine Idee als Aufgabe für das Forschen.
Die Transzendenz aber erforschen wir überhaupt nicht, wir werden von ihr – im Gleichnis gesprochen – berührt und berühren sie als das Andere, das Umgreifende alles Umgreifenden.
(3333, Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung, Piper, München 1963, S. 122.)
date of origin: květen 2014